Wissenswertes

Hier finden Sie interessante Artikel zum Thema Gesundheit

Die Kunst des Schlafens

Bereits im Alter von 7 Jahren beginnen wir Vorzüge für spezifische Schlafpositionen zu entwickeln. Der Gewinner unter den Schlafpositionen ist eindeutig die Seitenlage (vgl. Gordon, 2007): Etwa 70% der Erwachsenen verbringen den Großteil der Schlafzeit als Seitenschläfer. Die Rückenlage wird von rund 12% genutzt, wohingegen die Bauchlage (6%) sowie die aufrecht sitzende Schlafposition (3%) die Schlusslichter bilden.

Viele Untersuchungen zeigen, dass eine normale Ausrichtung der gesamten Wirbelsäule während des Schlafes zur Entspannung und Schmerzfreiheit beiträgt. Die Rückenlage bietet zudem den Vorteil der größtmöglichen Körpergewichtsverteilung auf der Liegefläche. Dennoch gewährleistet auch die Seitenlage die Einnahme einer geraden Wirbelsäulenhaltung. Die Bauchlage wird am häufigsten mit haltungsbedingten Schmerzen in Verbindung gebracht (vgl. Desouzart, 2016).

 

  

Bist du Rückenschläfer (Illustration 1), dann schiebe in Rückenlage deine Hand mit der Handfläche nach unten zwischen Lendenwirbelsäule und Matratze. Die Hand soll noch gut bewegt werden können ohne dabei einen Spalt wahrzunehmen. Ein Spalt deutet auf eine zu harte Matratze hin – ein hoher nötiger Kraftaufwand ist Hinweis für eine zu weiche Matratze. Die ideale Matratze unterstützt die Wirbelsäule in ihrem S-Verlauf.

supine pos 1 

In Seitenlage (Illustration 2) soll die Wirbelsäule waagrecht verlaufen. Die Matratze soll auf der ganzen Körperseite, also auch auf den Rippen und der Flanke, gut spürbar sein. Stellen mit geringem Matratzenkontakt oder Spalt deuten auf eine zu harte Matratze hin. Spürt man den Lattenrost durch Matratze durch ist diese eindeutig zu weich. 

side lying pos
 

Mein Tipp: Zur Vergrößerung der Unterstützung deiner Wirbelsäule kannst du probehalber eine kleine Handtuchrolle im jeweiligen Spalt platzieren.

 

Autor: Mag. Konrad Forstinger, MSc

Muskelschmerz durch Mikrozirkulationsstörung (Zähe Routine)

Der Spannungszustand eines ruhenden Muskels wird als Ruhetonus bezeichnet. Liegt man entspannt im Bett, hat die Nackenmuskulatur einen niedrigeren Ruhetonus als sitzend mit starrem Blick in den Fernseher. Bei Bewegungslosigkeit verfestigt sich die Nackenmuskulatur zu einer zähen Muskelmasse. Dadurch kann das Kopfgewicht mit geringerem Energieaufwand gehalten werden [vgl. Masi, 2008]. Dieses energieschonende ‚Einsteifen‘ eines Muskels (Thixotropie) setzt nach ca. 30 Minuten Bewegungslosigkeit ein, wird aber bereits nach wenigen Bewegungen wieder vollständig aufgelöst [vgl. Laube, 2014].

 

Muskelschmerzen und Verspannungen

Wird ein Körperteil über einen zu langen Zeitraum nicht bewegt treten neben dem Einsteifen auch Durchblutungsstörungen der Muskelmasse auf [vgl. Laube, 2004; Mense, 2014]. Während eines klassischen Büroarbeitstages kann durch fehlende Bewegung die Durchblutung eines Muskels sinken, sodass brennende Schmerzen auftreten. Bei sitzenden Berufen sind meist die Schulterblätter, der Nacken oder die Lendenwirbelsäule betroffen. Die Schmerzen erinnern häufig an Verspannung, Verkrampfung oder Müdigkeit. Die Beschwerden nehmen im Tagesverlauf zu, nächtliche Schmerzen treten selten auf [vgl. Stam in Westerhuis, 2011].

 

Mein Tipp

Wenn sie berufsbedingt sitzen oder einfach nur gerne lesen oder fernsehen, sollten sie das natürliche Einsteifen des Körpers nicht überbeanspruchen. Zum Wiederherstellen der Muskel- und Sehnendurchblutung reichen einige kleine, dafür aber regelmäßige Unterbrechungen der Routine.

 

ischaem. sitz flx ischaem. sitz ext

Igeln sie sich vorne zusammen. Dabei bewegen sie auch ihre Schulterblätter nach vorne und rollen den Kopf ein. Danach richten Sie sich auf, ziehen die Schulterblätter nach hinten und legen den Kopf in den Nacken. Machen Sie 5 Wiederholungen am Stück, dreimal vormittags und dreimal nachmittags.

 

Autor und Fotos: Mag. Konrad Forstinger, MSc.

 

Kopfschmerzen durch die Halswirbelsäule

Cervicogener Kopfschmerz

Kopfschmerzen können als Symptom einer Krankheit (z.B. grippaler Infekt) oder auch als eigenständiger Schmerz (z.B. Migräne) auftreten. Mediziner sprechen vom cervicogenen Kopfschmerz (lat. Cervix = Nacken, Hals), wenn die Ursache der Schmerzen in der Halswirbelsäule zu finden ist (vgl. May in Lüdtke, 2020). Etwa 2,5% der Menschen leiden an dieser Kopfschmerzform (vgl. Howard, 2015).

Cervicogene Kopfschmerzen beginnen meist im Nacken, breiten sich jedoch häufig zur Stirn, zum Ohr oder bis in den Schulterbereich einer Körperhälfte aus. Die Schmerzen werden als dumpf-drückend bis hin zu ziehend beschrieben (vgl. Khalili, 2020). Die Ursache des „Nackenkopfschmerzes“ liegt in einer Bewegungsstörung der oberen Halswirbelsäule. Über die drei oberen Halsnerven (C1-C3) steht dieser Wirbelsäulenabschnitt mit dem den Kopf versorgenden Trigeminus-Nerv in Verbindung, was schlussendlich kopfschmerzrelevant ist (vgl. Gaul in Lüdtke, 2020). Die Medizin kennt viele verschiedene Kopfschmerztypen. Meist reicht ein ausführliches Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt um Behandlungswege festzulegen.

Mit diesen zwei Übungen verbesserst du die Beweglichkeit deiner oberen Halswirbelsäule. Beachte, dass die Übungen nie unter Schmerzen ausgeführt werden sollten.

 

A1 A2

Übung 1: Neige den Kopf zur Seite. Die Nase soll nicht von der Mitte abweichen, somit weist die Nasenspitze immer exakt nach vorne.
20 Wiederholungen je Seite. Beginne erst mit Übung 2, wenn Übung 1 gut gelingt.

 

 

B1 B2 B3

Übung 2: Kippe den Kopf wieder in Seitneige. Von dieser Position ausgehend drehst du nun den Kopf zur Gegenseite.
Beispiel: Seitneigung nach rechts > die Seitneigung halten > den Kopf nun zusätzlich nach links drehen.
20 Wiederholungen je Seite. 

 

Autor und Fotos: Mag. Konrad Forstinger, MSc.

Handy verursacht Schmerzen in der Halswirbelsäule (mit Fotos)

Thumbs Up!

Der Anteil der Smartphone-UserInnen ist in Österreich von 43% in 2013 auf 77% in 2019 gestiegen (vgl. Statista, 2019). BewohnerInnen der westlichen Bundesländer nutzen ihr Gerät rund 2,8 Stunden täglich, die WienerInnen halten ihr Handy rund 3,7 Stunden pro Tag in Händen (vgl. MindTake Research 2019).

Die digitale Revolution hat unser Leben ein Stück weit verändert - und hat damit auch unsere Körperhaltung beeinflusst. In einer aufrechten Haltung wirkt das Gewicht unseres Kopfes mit ca. 60N (~6kg) lotrecht auf die Halswirbelsäule. Ein über das Handy geneigter Kopf (head drop), typisches Bild an der Bushaltestelle, steigert die Gewichtsbelastung in der Halswirbelsäule bereits auf 270N (~27kg) (vgl. Hansraj, 2014). Durch falsche Körperhaltung am Handy entstehen Überlastungen der Nackenmuskulatur mit Nackenschmerz, Kopfschmerz oder Schulterschmerzen (vgl. Jothi, 2018). Mehrjährige Fehlhaltung führt zu Veränderungen an Knochen und Gelenken der Halswirbelsäule (vgl. Ögrenci, 2018).

 

So kannst du die Belastungen deines Nackens verringern:

 

1) Gerade Halswirbelsäule statt Krümmung

 Handy 1

 

2) Zweihändige Bedienung entlastet Hand, Daumen und Nacken

Handy 2

 

Autor und Fotos: Mag. Konrad Forstinger, MSc

Schlafende Finger durch Karpaltunnelsyndrom (CTS) - Selbstbehandlung (mit Fotos)

Schlafende Finger

Nachts schlafen die meisten Menschen. Zudem schlafen auch die Finger von 1% aller Männer und 6% aller Frauen aufgrund eines vorliegenden Karpaltunnelsyndroms (CTS) (Quelle: Martins et al., 2017). Bei CTS gerät der Mittelarmnerv (Nervus Medianus) auf der Handflächenseite des Handgelenks im Karpaltunnel unter Druck. Mögliche Risikofaktoren für das Auftreten dieses häufigen Kompressionssyndroms sind Verletzungen bzw. Überbeanspruchung des Handgelenks und Grunderkrankungen wie Rheuma oder Diabetes. Häufig entstehen die Gefühlsstörungen in den ersten drei Fingern (Gefühllosigkeit, Brennen, Kribbeln) jedoch ohne ersichtlichen Auslöser. Ihr Hausarzt kann sie nach der Diagnosestellung über Therapiemöglichkeiten aufklären.

 

Hier 3 Tipps zur ergänzenden Selbstbehandlung:

 

1) Selbstbehanndlung durch Massagegriffe am Unterarm

Massieren sie sanft mit ihrem Daumen der anderen Hand muskuläre Verhärtungen auf der Kleinfingerseite ihres Unterarmes. Legen Sie besonderes Augenmerk auf Verspannungen in Ellbeugennähe. Massieren sie sanft mit ihrem Daumen der anderen Hand muskuläre Verhärtungen auf der Kleinfingerseite ihres Unterarmes. Legen Sie besonderes Augenmerk auf Verspannungen in Ellbeugennähe (siehe Foto unterhalb).

n.med Selbstmassage

 

 

2) Ruhigstellung des Handgelenks nachts

Ruhigstellung

Stellen Sie das Handgelenk nachts mit Hilfe eines Lineals und einer Bandage ruhig. Dadurch verhindern sie ein unwillkürliches Abbiegen des Handgelenks über einen längeren Zeitraum. Im orthopädischen Fachgeschäft können Nachtlagerungsschienen erworben werden.

 

 

3) Mobilisation des Mittelarmnerves im Handgelenk

Mobilisation 1

Mobilisation 2

Legen Sie den Arm auf die Tischplatte und wechseln sie zwischen den beiden Bewegungen (siehe Fotos). Bild 1 zeigt ein hochgehobenes Handgelenk mit Faustschluss. Bild 2 zeigt ein abgesenktes Handgelenk mit gestreckten Fingern. Machen Sie 20 Wiederholungen 2x täglich um den Mittelarmnerv in Bewegung zu versetzen.

 

Autor und Fotos: Mag. Konrad Forstinger, MSc

 

Akuter Schmerz ungleich chronischer Schmerz (mit Video)

Wissen ist schmerzfrei teilbar

Schmerzen sind eine sehr individuelle Wahrnehmung unseres Gehirns. Aufgrund der hohen Unterschiedlichkeit der Schmerzwahrnehmung zwischen uns Menschen sind weder die Schmerzstärke noch die Auswirkung von Schmerz eindeutig messbar oder vergleichbar.

Hammer

Foto: Lora Forstinger

Eine heute gängige Definition von Schmerz hat folgende Inhalte (vgl. Williams AC., 2016):

-       Quälende, Besorgnis erregende Erfahrung;

-       Tatsächliche oder drohende Gewebeschädigung;

-       Schmerzanteile aus Nervensensoren, Gefühlen und Gedanken.

Akutschmerzen treten bei Stimulation von speziellen Nervensensoren (Nozizeptoren) auf und dienen dem betroffenen als nützliche Warnmelder vor Gewebsschädigung. Mithilfe des Akutschmerzes wird beispielsweise der frisch verletzte Daumen ruhiggestellt sodass die Wundheilung beginnen kann.

 

Manchmal dauern die Schmerzen jedoch länger an oder verstärken sich sogar, obwohl das Verletzungsgebiet bereits vollständig ausgeheilt ist. Chronische Schmerzen nennt man Schmerzwahrnehmungen, die sich von der eigentlichen Ursache (Daumenverletzung) losgelöst haben. Chronifizierte Schmerzen entstehen durch Anpassung von Schmerzverarbeitungszentren im Gehirn, haben jedoch nichts mit einer psychiatrischen Krankheit oder Einbildung zu tun (vgl. Egan Moog M., 2011).

Risikofaktoren für chronische Schmerzen (vgl. Luomajoki H., 2018):

-       Angst vor Schmerz bei Bewegung;

-       Vermeidung von Bewegung;

-       Depressive Verstimmung;

-       Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, juristische oder familiäre Probleme;

-       Fehlender Glaube daran, selbst etwas gegen die Schmerzen tun zu können;

-       Glaube, dass Schmerz immer Gefahr bedeutet (Informationsdefizit);

-       Negative Überbewertung der Situation (Katastrophisieren).

 

Autor: Mag. Konrad Forstinger, MSc

 

Video: Schmerzen verstehen und wissen, was dagegen zu tun ist (John Hunter Hospital, Australien; Schweizer Paraplegiker Stiftung)

Ein Aspekt des richtigen Sitzens (mit Grafik)

Wer sitzend raucht lebt noch ungesünder

Sitzen ist das neue Rauchen“, so der Buchtitel des amerikanischen Bestsellers von Kelly Starrett. In Österreich sinkt seit den 1970er Jahren der Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung, wohingegen die täglich im Sitzen zugebrachte Zeit seit Jahren steigt. 7,5 Stunden sitzt man durchschnittlich in Deutschland täglich vor dem PC, dem Fernseher und im Job. Menschen ab dem 66. Lebensjahr sitzen statistisch weniger lange als jüngere Menschen (vgl. DKV-Report 2018).

 

sitzen

 

Wer beruflich im Büro arbeitet sollte den Arbeitsplatz möglichst wirbelsäulenschonend gestalten (vgl. AUVA).

  1. Sitzhöhe wählen sodass Knie ca. 90° abgewinkelt sind.
  2. Armlehne einstellen sodass der Ellbogen mit 90° abgelegt werden kann.
  3. Aufrechte Sitzposition mittels Lehne einstellen.
  4. Die Bildschirmoberkante soll bei aufrechter Sitzhaltung auf Augenhöhe sein (wichtig!!!)
  5. Der Bildschirm befindet sich idealerweise 50-70cm vom Kopf entfernt.

Empfehlungen des Autors:

  1. Wer ständig frei sitzt begünstigt Verspannungen. Es ist gut die Lehne zum Anlehnen des Rückens zu verwenden. Am besten man wechselt zwischen angelehntem und freiem Sitzen.
  2. Auch kurzes regelmäßiges Aufstehen wirkt Schmerzen entgegen (z.B. stehend telefonieren, kurzer Gehweg zum Drucker,…).
  3. Für PC-Arbeiten eignen sich Bildschirmbrillen besser als Gleitsichtbrillen.
  4. Wer lange sitzt soll das Bewegungsdefizit mit umso längeren Bewegungseinheiten ausgleichen (vgl. Stamatakis, 2019)

Autor: Mag. Konrad Forstinger, MSc.

 

Ein Aspekt des richtigen Gehens (mit Video)

Gehschule für Erwachsene
Das menschliche Gangbild wird erst durch ein komplexes Zusammenspiel von unzähligen Muskeln, Gelenken, Bindegeweben und Nerven möglich. Der einzelne Schritt am Boden kann zum besseren Verständnis in seine drei Hauptphasen unterteilt werden:

 

1) Erstkontakt: Nachdem das Bein in der Luft nach vorne gebracht wurde erfolgt der Erstkontakt des Fußes mit dem Boden durch die Ferse.

ic web

 

2) Mittlere Standphase: Die gesamte Fußsohle hat nun Bodenkontakt.

mid stance web

 

3) Schlussphase: Das Gewicht verlagert sich nach vorne auf die Großzehe, und die Ferse wird vom Boden abgehoben.

toe off web

 

Die Schlussphase nimmt meiner Ansicht nach eine besonders wichtige Rolle im Gangbild ein. Wenn sich die Ferse vom Boden abhebt verlagert sich das Körpergewicht zuerst auf den Großzehenballen, und in Folge auch auf die Großzehe selbst. Erst durch einen festen Kontakt der Großzehenbeere mit dem Boden spannt sich das Fußgewölbe ausreichend an um ein flüssiges, reaktives Gehen zu ermöglichen. Wird diese letzte Gangphase nicht kraftvoll genug umgesetzt verändert sich das Gangbild grundlegend (vgl. Hessert 2005, Qian 2013). 

 

Der folgende Videoclip veranschaulicht den Unterschied zwischen einer ausreichend kraftvollen und einer passiven Großzehenabdruckphase (Toe-off-Phase).

 

 

Autor: Mag. Konrad Forstinger, MSc. (2019)

Ein Aspekt des richtigen Stehens (mit Grafik)

Stante Pede - vom richtigen Stehen
Der menschliche Körper ist flexibel und toleriert unglaubliche Belastungen. Erwachsene heben ihre Hauskatzen mit runden Rücken hoch – und nichts passiert. Eine gute Haltung gewinnt jedoch mit dem Zeitraum der Belastung an Bedeutung. So ist es beispielsweise ratsam, während des 30-minütigen Fachgesprächs am Messestand immer wieder die passive Standhaltung zu verlassen und sich einige Minuten in den aktiven Stand zu bewegen. Das entlastet die Gelenke und Bänder der Wirbelsäule und beugt haltungsbedingten Schmerzen vor.

Standhaltung

Der passive Stand (A) zeichnet sich durch höhere Belastung der passiven Strukturen (Bandscheiben, Bänder) aus. Da zum passiven Stehen weniger Muskelaktivität nötig ist wird er kurzfristig als angenehm wahrgenommen. Möchten sie passiv stehen, dann strecken sie ihre Knie maximal nach hinten durch und lassen das Becken nach vorne fallen. Automatisch verlagert sich die Hauptbelastung von der Ferse zum Fußballen. Die Krümmungen der Wirbelsäule verstärken sich unnatürlich.

Der aktive Stand (B) wird ebenfalls durch Schwerpunktverlagerung erreicht. Versuchen sie dazu anstatt des Fußballens mehrheitlich die Ferse zu belasten. Automatisch bewegt sich das Becken etwas nach hinten (vgl. Lotlinie in Grafik). Die Knie werden nicht völlig überstreckt sondern in eine gerade Mittelposition gebracht. Durch die bessere Beckenposition verlängert sich die Wirbelsäule automatisch und nähert sich der natürlichen S-Krümmung an.


Wenn sie längere Zeit stehen müssen kann es hilfreich sein, gezielt zwischen diesen beiden Haltungsarten zu wechseln.

Schmerzen in der Brustwirbelsäule durch BH-Tragen

Einfluss des Unterbrustbandes des Büstenhalters auf die thorakale Beweglichkeit in der Sagittalebene:
Eine Klinische Studie

Master Thesis zur Erlangung des akademischen Grades Master of Science im Universitätslehrgang Musculoskeletal Physiotherapy; Eingereicht von Mag. Konrad Forstinger, BSc.; Matr.Nr.: 0055607; Zentrum für Medizinische Spezialisierungen an der Donau-Universität Krems

Betreuerfachgutachter: Dr. Nikolaus Klepp; Fachbegutachter/in: Barbara Kern, PT MSc; Uni.-Prof. Mag. Dr. PhDr. Wilhelm Frank; Begutachter: Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer;

Laakirchen, 4. Jänner 2017


Abstract (deutsch)
Einführung: Frauen berichten in Therapiesituationen häufig von Schmerzen in der Brustwirbelsäule und dem Thorax, die mit dem Tragen von Büstenhaltern (BH) in Zusammenhang stehen. Das oftmals feste Endgefühl beim Springing-Test (P/A-Test) auf Höhe des Unterbrustbandes (UBB) des BHs gab Anstoß zur Hypothesenbildung. Bis dato gibt es keine Untersuchungen die sich mit der Auswirkung des UBB auf die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule (BWS) auseinandersetzen. Methodik: 29 gesunde BH-Trägerinnen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Lokalisation des UBB an der BWS wurde auf der Haut markiert. Dann wurde die Beweglichkeit der BWS in der Sagittalebene mit einem Kypholordometer erhoben, wofür jede Probandin in flektierter, extendierter und neutraler Sitzposition vermessen wurde. Die Beweglichkeit je Messsegment errechnete sich aus der Winkeldifferenz einer Flexions- und einer Extensionskurve. Als Nebenmessparameter wurde die Spannungsstärke des UBB mit einer modifizierten Hängewaage erfasst. Ergebnisse: Entgegen den durch den P/A-Test ausgelösten Erwartungen weist das Messsegment des UBB stets (p=0,005) die höchste Beweglichkeit (UBB 6,21°) im Vergleich zu seinen Nachbarsegmenten (oberhalb des UBB 4,14°; unterhalb des UBB 6,02°) auf. Zudem korreliert die Körbchengröße, stellvertretend für die Brustgröße, positiv mit der Spannungsstärke des UBB (Mittelwert 910g). Darüber hinaus konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Zugstärke des UBB und dem Ausmaß der Beweglichkeitszunahme im UBB-Messsegment nachgewiesen werden. Schlussfolgerungen: Die Beweglichkeitszunahme der BWS auf Höhe des UBB ist in der Sagittalebene höchst signifikant nachweisbar und fachlich bemerkenswert. Folgen dieser lokalen Hypermobilität können mitunter eine vergrößerte neutrale Zone (Panjabi 1992) und Funktionsstörungen im Bewegungssegment (Böhni u. a. 2015) sein. Mögliche Auslöser der entdeckten Hypermobilität sind in einem sensomotorischen sowie in einem biomechanischen Modell beschrieben. Die Notwendigkeit der richtigen Anpassung des BHs an die Körpermerkmale seiner Trägerin wird durch diese Studie unterstrichen.

Stichworte Büstenhalter, BH, Unterbrustband, Kypholordometer, Lordometer, Beweglichkeit, Brustwirbelsäule, Biomechanik, Kyphose, weibliche Brust, Busen.

Abstract (english)
Introduction: In physiotherapy sessions female clients often mention discomfort in the thoracic spine and the chest triggered by wearing bras. Furthermore, the Springing-test (P/A-test) appears to show stiffness in the region of the bra’s band in the thoracic spine. Those empiric findings led to investigate the influence of the bra’s band on the range of motion (ROM) of the thoracic spine, which has not been analysed so far. Methods: The mobility of the thoracic spine was measured on 29 healthy female subjects. Participants were between 30 and 60 years old and were used to wearing bras for at least 15 years. After having marked the localisation of the bra’s band ROM of the spine in the sagittal plane was measured with a kypholordometer. The shape of the spine (flexion, extension and neutral position) was plotted for each woman.  ROM was then calculated on the basis of two curves, for example flexion-curve minus extension-curve for full range of motion. The design of this study allowed comparing ROM in the area of the bra’s band with ROM in the neighbouring areas. Furthermore, tension of the band was evaluated with a modified spring scale. Results: ROM in the area of the bra’s band is always higher (6.21°) than in the neighbouring segments right above (4.14°) and below (6.02°) the band. Those significant findings (p=0.005) stand in contradiction to the expectations that arose with P/A-testing. Furthermore, bra-size, and therefore breast-size, is positively correlated with tension on the band (mean value 910 grams).  Moreover, the results show that more tension on the band leads to more hypermobility in the area of the band. Conclusion: The increase of ROM in the sagittal plane of the spine under the bra’s band is strongly significant and technically notable. Hypermobility can lead to an increase of the neutral zone (Panjabi 1992) and induce malfunction of the motion segment (Böhni u. a. 2015). Sensomotoric processing and biomechanical changes can possibly explain the cause of this so far unknown influence of the bra. All the more, this study shows again that it is important for women to use correctly fitted bras.

Keywords bra, bra band, kypholordometer, lordometer, range of motion, thoracic spine, biomechanics, kyphosis, female breast, bust.

 
1 Einleitung

Das Brustgewebe junger Frauen entwickelt mehr Festigkeit, wenn sie das Tragen von Büstenhaltern (BH) aufgeben, so Pierrot in ihrer Studie aus dem Jahr 2003 (Pierrot und Rouillon 2003). Diese Studie gab Anstoß zu großem medialen Interesse (Rouillon 2013a), und viele Frauen begannen die Funktion, die Notwendigkeit und die Auswirkung des BHs auf den Körper zu hinterfragen.

Die vorliegende klinische Studie versucht einen Zusammenhang zwischen dem Tragen von Büstenhaltern mit Unterbrustbändern (UBB) und Bewegungseinschränkungen in der Brustwirbelsäule aufzudecken. Dysfunktionen in der thorakalen Wirbelsäule können lokale Schmerzen verursachen, haben jedoch auch weitreichende Folgen für entferntere Körperabschnitte. So begünstigt eine hypomobile Brustwirbelsäule beispielsweise das Auftreten von Schulterimpingement (Meurer u. a. 2004). Auch Theisen konnte in ihrer Studie zur Beweglichkeit der Brustwirbelsäule bei von Schulterimpingement Betroffenen darstellen, dass die mittlere und untere thorakale Wirbelsäule vermehrte Hypomobilität aufweist (Theisen u. a. 2010).

Untersucherinnen und Untersucher befunden die thorakale Wirbelsäule unter anderem mit einem punktuellen Schub von posterior nach anterior. Der sogenannte P/A-Test gilt als Standardtest unter Manualtherapeutinnen und Manualtherapeuten und lässt Rückschlüsse auf die segmentale Steifigkeit zu. Jedoch, wie Binkley und auch Heiderscheit erarbeiteten, weist der P/A-Test an der Wirbelsäule eine geringe Reliabilität und Validität auf (Binkley u. a. 1995; Heiderscheit und Boissonnault 2008). Nichtsdestotrotz war es der häufig auffällige P/A-Test auf Höhe des BH-Verschlusses, der Anstoß zur genaueren Untersuchung des Steifigkeitsphänomens in der mittleren Brustwirbelsäule von Frauen gab.

Eine alternative Messmethode anstelle des P/A-Tests stellt das Kypholordometer dar. Dieses Messgerät bildet die Kontur der Wirbelsäule in der sagittalen Ebene ab. Ausgezeichnet durch bessere Validität als der P/A-Test (Barrett u. a. 2014) ermöglicht das Lordometer durch Subtraktion der Messkurven für Wirbelsäulenflexion und -extension die Berechnung von Beweglichkeit (ROM). Der Bau des in der vorliegenden Arbeit verwendeten Kypholordometers wurde vom Studienleiter in Auftrag gegeben, das Design orientierte sich rudimentär am Kypholordometer von Souza (Souza u. a. 2009).

Im Frühjahr und Sommer 2016 wurde die Wirbelsäulenbeweglichkeit von 29 gesunden Probandinnen in der Sagittalebene gemessen. Unmittelbar vor der Messung wurde der das Unterbrustband tragende Brustwirbelabschnitt markiert. Dadurch konnte in der statistischen Auswertung ein Beweglichkeitsvergleich zwischen Messabschnitten mit und ohne UBB angestellt werden.

Im Kapitel „Theoretische Grundlagen“ wird auf die physiologische Mobilität der Brustwirbelsäule und auf dessen Biomechanik eingegangen. Der methodische Teil der Arbeit stellt das Studiendesign vor und geht detailliert auf die Auswahlkriterien und die Beschaffenheit des Messinstrumentes ein. Am Ende der These werden die überraschenden Ergebnisse (p=0,005) präsentiert und interpretiert. In der abschließenden kritischen Diskussion und einem gewagten Blick in die Zukunft werden Hypothesen zum Wirkmechanismus des Unterbrustbandes anhand von zwei Modellen präsentiert. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten können durch die Erkenntnisse aus dieser klinischen Studie Aufklärungsarbeit hinsichtlich möglicher Folgen des BH-Tragens an ihren Patientinnen leisten.

Die vorliegende Masterthesis ist mit der Auswirkung des Unterbrustbandes auf die Beweglichkeit der BWS in der Sagittalebene thematisch eng gefasst. Aus diesem Grund werden andere mögliche Auswirkungen des BHs, etwa auf das Brustgewebe oder den Schultergürtel, nicht betrachtet.

1.1 Hintergrund der Masterarbeit

Pierrot erforschte 2003 an 33 Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren die Auswirkungen des Nicht-Tragens von BHs. Die französische Ärztin kam in ihrer Longitudinalstudie zu dem Schluss, dass sich das Brustgewebe positiv anpasst und mehr Festigkeit entwickelt, wenn junge Frauen das Tragen von BHs aufgeben (Pierrot und Rouillon 2003). Die weite Verbreitung von BHs in Europa führt Pierrot vielmehr auf sozio-kulturelle Aspekte als auf medizinische Vorteile zurück.

Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden erforschte 2010, dass rund 5% der ambulanten Patientinnen und Patienten in Holland aufgrund von Schmerzen in der Brustwirbelsäule (BWS) behandelt werden (Kleef u. a. 2010). Eine Querschnittsstudie die in den Jahren 2002 bis 2005 an 3710 Männern und Frauen durchgeführt wurde weist auf einen eindeutigen Geschlechterunterschied in der Inzidenz von thorakalen Schmerzen hin. Nach Fouquet et al. liegt die Inzidenzrate von thorakalem Schmerz bei Männern bei 5,2 von 100 und bei Frauen bei 10,0 von 100 untersuchten Subjekten (Fouquet u. a. 2015).

Die segmentale Beweglichkeit der Brustwirbelsegmente variiert in Abhängigkeit von Alter, Brustwirbelsegment und Geschlecht (Barrett u. a. 2014; Morita u. a. 2014). Eine mögliche Erklärung für die höhere Inzidenzrate von thorakalen Schmerzen unter Frauen könnte im Tragen von Büstenhaltern bzw. dem eng anliegenden Unterbrustband des BHs liegen. Das dem Thorax eng anliegende Textil könnte für thorakale Bewegungseinschränkungen verantwortlich sein und auch die Grundlage für thorakale Schmerzen bilden. Die aktuell schwache Studienlage zum Thema Büstenhalter wurde im Jahr 2013 von Medizin-Transparent.at, einem Informationsservice von Cochrane Österreich, unterstrichen:

„Ob das Nicht-Tragen von BHs medizinische Vorteile mit sich bringt, kann mangels Studien nicht beantwortet werden. Einige Studien weisen darauf hin, dass Büstenhalter Brustschmerzen verhindern können, die Arbeiten sind allerdings methodisch schwach und haben so gut wie keine Aussagekraft.“ (Wipplinger 2013) Auch Rouillon stellte fest, dass bis zum Jahr 2013 weltweit keine einzige Studie die Vorteile des BH-Tragens untersuchte (Rouillon 2013a).

 
1.2 Forschungsfragen und Hypothesen

Forschungsfragen und Hypothesen
Forschungsfragen Forschungsfrage 1: Weisen Frauen nach mehrjährigem Tragen von Büstenhaltern mit Unterbrustband eine veränderte sagittale Beweglichkeit des betroffenen BWS-Abschnittes im Vergleich zu den Nachbarabschnitten auf?
Forschungsfrage 2 (falls Forschungsfrage 1 bestätigt): Hat die Zugstärke der Einengung durch das Unterbrustband einen Einfluss auf das Ausmaß der Beweglichkeitseinschränkung?
Haupthypothese H1 Durch die Nullhypothese (H0-1) wird angenommen, dass die Einengung des BWS-Abschnittes durch das Unterbrustband des BHs keinen Effekt auf die Beweglichkeit dieses Abschnittes hat.
Durch die Alternativhypothese (H1-1) wird angenommen, dass die Einengung des BWS-Abschnittes durch das Unterbrustband zu einer veränderten Beweglichkeit in diesem Abschnitt führt.

Nebenhypothese H2

 

Als Nullhypothese (H0-2) wird angenommen, dass das Ausmaß der Einengung nicht mit dem Ausmaß der Beweglichkeitsveränderung korreliert.
Als Alternativhypothese (H1-2) wird angenommen, dass das Ausmaß der Einengung mit dem Ausmaß der Beweglichkeitsveränderung korreliert.

Tabelle 1: Forschungsfragen und Hypothesen

1.3 PICO-Schema

Darstellung der Forschungsfrage im PICO-Schema
Population Frauen die BHs tragen, BH-Verwendung mehr als 15 Jahre.
Intervention Es wurde keine Intervention gesetzt. Das Tragen von BHs stellt einen möglichen Einflussfaktor auf die Beweglichkeit der BWS dar.
Comparison Es wurde keine Kontrollgruppe gebildet.
Outcome Das Messgerät erfasst die Kontur der BWS. Eine trigonometrische Formel berechnet auf Basis dieser Distanzmessung den Winkel an einzelnen Messpunkten. Als Ausdruck von Beweglichkeit pro Messstelle wird die Differenz der Winkel bei Flexion, Extension und Neutralposition berechnet.

Tabelle 2: PICO-Schema

1.4 Ziel der Arbeit

Durch diese klinische Studie sollen die negativen Auswirkungen des BH-Tragens auf das Bewegungsverhalten der Brustwirbelsäule dargestellt werden. Die Studie dient der Untermauerung von Pierrots Arbeit, in welcher vor allem soziokulturelle Aspekte und keine medizinischen Vorteile durch das Tragen von Büstenhaltern identifiziert wurden (Pierrot und Rouillon 2003).

In vergangenen Studien wurde der Forschungsschwerpunkt auf BH-Trägerbänder und die Brustgröße gelegt (Coltman u. a. 2015). Die Auswirkung der Unterbrustbänder von BHs ist noch nicht erforscht. Eine naheliegende Auswirkung dieses Hauptlastträgers des Brustgewichts könnte jedenfalls in der Mobilität der Brustwirbelsäule zu finden sein. Die Frage, ob dabei die Spannungsintensität als beitragender Faktor anzusehen ist, wurde im Studiendesign berücksichtig und Messwerte dazu als Nebenparameter erhoben.

Durch die Erkenntnisse aus dieser Studie soll neues Wissen zu den Auswirkungen des Unterbrustbandes auf die Brustwirbelsäule generiert werden. Therapeutinnen und Therapeuten sollen zukünftig Kundinnen im Rahmen von edukativen Maßnahmen über mögliche Folgen von schlecht angepassten BHs aufklären können.

Kontakt für Volleinsicht in die Studie: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Biochemische Wirkung von Moor

Die wichtigsten Wirkstoffgruppen bei Mooranwendungen stellen Huminstoffe und Östrogene dar. Huminsäure ist die am besten untersuchte Substanz im Torf. Über die Haut sowie Schleimhäute aufgenommen, erschwert sie die Neuaufnahme von Giftstoffen und fördert die Ausscheidung von in Zellen eingelagerten Schlackstoffen. Zudem beruhigt die vom Körper absorbierte Huminsäure ist die am besten untersuchte Substanz im Torf. Über die Haut sowie Schleimhäute aufgenommen erschwert sie die Neuaufnahme von Giftstoffen und fördert die Ausscheidung von in Zellen eingelagerten Schlackstoffen. Zudem beruhigt die vom Körper absorbierte Huminsäure die Nervenenden und trägt sekundär zur Entspannung der glatten und quergestreiften Muskulatur bei. Ebenfalls nachgewiesen ist die entzündungshemmende Wirkung der im Peloid enthaltenen Huminsäure welche durch den verminderten Abbau von Arachidonsäure erklärt wird. Die Öffnung der Kalziumkanäle führt global zur Aktivierung der Zellen (vgl. Göcke, 1993, p. 115-116 in Hollensteiner, 2004, S. 12ff). Hübner merkte 2002 an, dass das Grundproblem der Anerkennung von Torf als Wirkstoff in der Untersuchungsmethodik liegt. Da in einem Huminstoffpräparat kein Molekül dem anderen gleicht ist es bis dato nur schwer möglich, eine einzelne Wirkkomponente im Peloid zu identifizieren (vgl. Hübner, 2001 in Zeitschrift: forschende Komplementärmedizin, 2002, S. 45).

Die Hyaluronidasehemmung ist die zweite wesentliche biochemische Wirkung von Torf. Im Torf gelöste Östrogene hemmen das Enzym Hyaluronidase, das im Wesentlichen für den Abbau von Hyaluronsäure zuständig ist (vgl. Amelung, 2011, S. 264ff). Durch die Hyaluronidasehemmung steht vermehrt Hyaluronsäure zur Verfügung. Hyaluronsäure ist Bestandteil der Zellmatrix und vor allem im Knorpelgewebe verantwortlich für Druckfestigkeit, Wasserspeicherung und Schmiermittelfunktion. Das Krankheitsbild der Arthrose (Gelenkabnutzung) scheint bezüglich der östrogenen Wirkung der Moorbadetherapie als Hauptprofiteur.

Thermische Wirkung von Moor

Neben der kurz umschriebenen biochemischen Wirkung von Torf stellt die thermische Wirkung den zweiten Grundpfeiler einer klassischen Moortherapie dar. Torf speichert Wärme länger als andere Trägerstoffe und gibt diese äußerst kontinuierlich ab. Im Moorwasser liegt der "...Thermoindiffernzpunkt, also der Punkt, ab dem der Wärmestrom vom Medium zum Körper hin gerichtet ist, bei 38 Grad Celsius und damit deutlich höher als im Wasserbad." (Naucke, 1975 in Hollensteiner, 2004, S. 10) Auf diesem Weg können dem Körper, im Vergleich zu normalem Badewasser, eine bis zu siebenmal höhere Wärmemenge zugeführt und selbst tiefe Organbezirke versorgt werden. Bei der üblichen Verabreichung von Bädern zwischen 37,5° und 41°C für die Dauer von 20 Minuten erhöht sich die Körperkerntemperatur um bis zu 2 Grad Celsius. Diese Hyperthermie bleibt nicht auf die Dauer des Bades beschränkt sondern kann durch die anschließende Ruhephase in der Moor-Teilpackung noch verlängert werden. Moorpackungen wirken im Gegensatz zu Moorbäderrn sehr konzentriert und lokal.

Die mechanische Wirkung von Moor

Die mechanische Wirkung von Moorbädern entsteht vor allem durch das höhere spezifische Gewicht von Badetorf im Vergleich zum menschlichen Körper. In Moorbädern herrscht ein größerer Auftrieb als in reinen Wasserbädern - die so erreichte Scherelosigkeit vermittelt dem Badenden einen tiefen Entspannungszustand. Moorschwebstoffbädern sind gegenüber Moorbreibäder weniger belastend für das Herz-Kreislauf-System, das geringere spezifische Gewicht des Schwebstoffbades erzeugt jedoch etwas weniger Auftrieb als ein Breibad. Der orthostatische Druck des Moorwassers führt im peripheren Gewebe zu einer Entwässerung des Interstitiums. Im artieriellen System sinken systolischer und diastolischer Blutdruck geringfügig, lokale Regulationsmechanismen der Arterienwände bewirken eine Tonusabnahme der Gefäßmuskulatur.

 

Therapiekrise - Kurkrise - Reaktion

Charakteristisch für eine intensive Moortherapie mit Bädern und Packungen sind mitunter auch heftige körperliche Reaktionen. Chronisch-entzündliche Krankheitsformen (z.B. Rheumatoide Arthritis) reagieren meist häufiger und stärker als degenerative Erkrankungsformen (z.B. Arthrose) ohne entzündliche Komponente. Die stärksten Reaktionssymptome treten nach Ende der ersten Therapiewoche auf. Die Stärke der Reaktion oder auch das Fernbleiben einer Therapiekrise hat keinen Einfluss auf den Therapieerfolg (vgl. Amelung, 2011, S.266).

Quellennachweise

Hollensteiner, Björn (2004). Beeinflussung der cutanen Druckschmerzwellen durch eine Ganzkörper-Moortherapie bei 40°C.
Dissertation, Universität Münster. Download 13.3.2009.
Link: http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-2037/gkmt.PDF

Amelung, Walther (Hrsg.) (2011). Balneologie und medizinische Klimatologie. Teil 2: Balneologie. Berlin: Springer-Verlag.

Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde
(2009. Ausgabe 9. Moortherapie in der Rehabilitation - aktueller Stand der Forschung.

Download 10.9.2009. Link: www.karger.com/journals/fkm

Weiterführende Literatur: Gutenbrunner, Christopf (2004). Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie. Berlin: Springer-Verlag. Zu finden in: Unibibliothek AKH Wien

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