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Moortherapie - Moorverarbeitung  

Das Gmöser Moor zählt zu den Niedermooren die typischerweise in Talsenken entstehen und vom Grundwasser gespeist werden. Der Gmöser Torf wird seit 1907 händisch abgebaut und auch heute noch frisch und ohne Zusatzstoffe verarbeitet. Nach dem sorgfältigen Stich wird die Moorerde in einer Mühle mit Moorwasser vermengt bis die typische breiige Konsistenz entsteht. In Umlaufkesseln wird der Moorbrei auf bis zu 80°C erwärmt und so für die Abfüllung in Moorsäcke vorbereitet.

Das für die Moorschwebstoffbäder benötogte Moorwasser (Schwarzwasser) fließt aus den Teichen ins Badehaus und wird dort ebenfalls auf 80°C erhitzt. Lediglich Grbostoffe wie Blätter und Holzstücke werden aus dem Wasser herausgefiltert.

Der seit langer Zeit übliche und erfolgreiche Anwedungsmodus ("klassische Moortherapie") beinhaltet Moorschwebstoffbäder (20min), Moor-Teilpackungen (50min) und Heilmassagen (30min). Die Packungen werden im Ruheraum auf die schmerzenden Körperstellen aufgelegt und schließlich zeitlich immer direkt an die Moorbäder an. Wir empfehlen unseren Patienten eine Mindestanwendung von 10 Behandlungstagen mit Moor in Serie (Mo-Fr, 2 Wochen). Heilmassagen tragen wesentlich zur Tonusregulation und zum Wohlbefinden der Patienten bei.

 

moorbrei

Moorbrei entsteht durch die Vermahlung von Torf in der Moormühle

Torf als Heilmittel  

Torfanwendungen zeichnen sich durch 3 grundsätzlich verschiedene Wirkungsweisen auf den menschlichen Organismus aus. Neben der biochemischen Wirkung von Torf sind auch die thermische sowie die mechanische Wirkung anerkannt (vgl. Amelung, 2011, S. 253ff).

1) Biochemische Wirkung von Torf
Die wichtigsten Wirkstoffgruppen bei Mooranwendungen stellen Huminstoffe und Östrogene dar. Huminsäure ist die am besten untersuchte Substanz im Torf. Unter die Haut sowie Schleimhäute aufgenommen erschwert sie die Neuaufnahme von Giftstoffen und fördert die Ausscheidung von in Zellen eingelagerten Schlackstoffen. Zudem beruhigt die vom Körper absorbierte Huminsäure ist die am besten untersuchte Substanz im Torf. Über die Haut sowie Schleimhäute aufgenommen erschwert sie die Neuaufnahme von Giftstoffen und fördert die Ausscheidung von in Zellen eingelagerten Schlackstoffen. Zudem beruhigt die vom Körper absorbierte Huminsäure die Nervenenden und trägt sekundär zur Entspannung der glatten und quergestreiften Muskulatur bei. Ebenfalls nachgewiesen ist die entzündungshemmende Wirkung der im Peloid enthaltenen Huminsäure welche durch den verminderten Abbau von Arachidonsäure erklärt wird. Die Öffnung der Kalziumkanäle führt global zur Aktivierung der Zellen (vgl. Göcke, 1993, p. 115-116 in Hollensteiner, 2004, S. 12ff). Hübner merkte 2002 an, dass das Grundproblem der Anerkennung von Torf als Wirkstoff in der Untersuchungsmethodik liegt. Da in einem Huminstoffpräparat kein Molekül dem anderen gleicht ist es bis dato nur schwer möglich, eine einzelne Wirkkomponente im Peloid zu identifizieren (vgl. Hübner, 2001 in Zeitschrift: forschende Komplementärmedizin, 2002, S. 45).

Die Hyaluronidasehemmung ist die zweite wesentliche biochemische Wirkung von Torf. Im Torf gelöste Östrogene hemmen das Enzym Hyaluronidase, das im Wesentlichen für den Abbau von Hyaluronsäure zuständig ist (vgl. Amelung, 2011, S. 264ff). Durch die Hyaluronidasehemmung steht vermehrt Hyaluronsäure zur Verfügung. Hyaluronsäure ist Bestandteil der Zellmatrix und vor allem im Knorpelgewebe verantwortlich für Druckfestigkeit, Wasserspeicherung und Schmiermittelfunktion. Das Krankheitsbild der Arthrose (Gelenkabnutzung) scheint bezüglich der östrogenen Wirkung der Moorbadetherapie als Hauptprofiteur.

2) Thermische Wirkung
Neben der kurz umschriebenen biochemischen Wirkung von Torf stellt die thermische Wirkung den zweiten Grundpfeiler einer klassischen Moortherapie dar. Torf speichert Wärme länger als andere Trägerstoffe und gibt diese äußerst kontinuierlich ab. Im Moorwasser liegt der "...Thermoindiffernzpunkt, also der Punkt, ab dem der Wärmestrom vom Medium zum Körper hin gerichtet ist, bei 38 Grad Celsius und damit deutlich höher als im Wasserbad." (Naucke, 1975 in Hollensteiner, 2004, S. 10) Auf diesem Weg können dem Körper, im Vergleich zu normalem Badewasser, eine bis zu siebenmal höhere Wärmemenge zugeführt und selbst tiefe Organbezirke versorgt werden. Bei der üblichen Verabreichung von Bädern zwischen 38° und 45°C für die Dauer von 20 Minuten erhöht sich die Körperkerntemperatur um bis zu 2 Grad Celsius. Diese Hyperthermie bleibt nicht auf die Dauer des Bades beschränkt sondern kann durch die anschließende Ruhephase in der Moor-Teilpackung noch verlängert werden. Moorpackungen wirken im Gegensatz zu Moorbäderrn sehr konzentriert und lokal.

3) Die mechanische Wirkung
Die mechanische Wirkung von Moorbädern entsteht vor allem durch das höhere spezifische Gewicht von BAdetorf im Vergleich zum menschlichen Körper. In Moorbädern herrscht ein größerer Auftrieb als in reinen Wasserbädern - die so erreichte Scherelosigkeit vermittelt dem Badenden einen tiefen Entspannungszustand. Moorschwebstoffbädern sind gegenüber Moorbreibäder weniger belastend für das Herz-Kreislauf-System, das geringere spezifische Gewicht des Schwebstoffbades erzeugt jedoch etwas weniger Auftrieb als ein Breibad. Der orthostatische Druck des Moorwassers führt im perpheren Gewebe zu einer Entwässerung des Interstitiums. Im artieriellen System sinken systolischer und diastolischer Blutdruck geringfügig, lokale regulationsmechanismen der Arterienwände bewirken eine Tonusabnahme der Gefäßmuskulatur.

(Autor: Mag. Konrad Forstinger, BSc.) 

 moorstich

Moorstich: nach einer 20cm dicken Humusschicht gelangt
man zu der 1,70m dicken Torfschicht

 

 

moorteich
Aus diesem Moorteich wird das Schwarzwasser für

Moorschwebstoffbäder abgepumpt

 

 

 

  

Therapiekrise - Kurkrise - Reaktion

Charakteristisch für eine intensive Moortherapie mit Bädern und Packungen sind mitunter auch heftige körperliche Reaktionen. Chronisch-entzündliche Krankheitsformen (z.B. Rheumatoide Arthritis) reagieren meist häufiger und stärker als degenerative Erkrankungsformen (z.B. Arthrose) ohne entzündliche Komponente. Die stärksten Reaktionssymptome treten nach Ende der ersten Therapiewoche auf. Die Stärke der Reaktion oder auch das Fernbleiben einer Therapiekrise hat keinen Einfluss auf den Therapieerfolg (vgl. Amelung, 2011, S.266).

 

Quellennachweise

Hollensteiner, Björn (2004). Beeinflussung der cutanen Druckschmerzwellen durch eine Ganzkörper-Moortherapie bei 40°C.
Dissertation, Universität Münster. Download 13.3.2009.
Link: http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-2037/gkmt.PDF

 

Amelung, Walther (Hrsg.) (2011). Balneologie und medizinische Klimatologie. Teil 2: Balneologie. Berlin: Springer-Verlag.

 

Forschende Komplementärmedizin und Klassische Naturheilkunde
(2009. Ausgabe 9. Moortherapie in der Rehabilitation - aktueller Stand der Forschung.
Download 10.9.2009. Link: www.karger.com/journals/fkm

 

Weiterführende Literatur

Gutenbrunner, Christopf (2004). Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie. Berlin: Springer-Verlag. Zu finden in: Unibibliothek AKH Wien